BEWEGUNGSPARALLAXE

Eine Bewegungsparallaxe ist ein Effekt in der Wahrnehmungspsychologie der eine optisch tiefere Welt suggeriert. Nahe Objekte ziehen optisch schneller am sich dazu parallel bewegenden Betrachter vorbei als solche die sich näher am Horizont befinden. Ein Effekt den man aus dem Fenster eines fahrenden Zuges beobachten kann oder im Levelaufbau von Egoshootern.

Sowohl Suntje Sagerer als Carolin Israel spielen mit Tiefenwahrnehmungen des Betrachters und optischen Verschiebungen von Bildebeben. Gewohnte Sehmechanismen werden angesprochen und irritiert,mit Grössenverhältnissen gespielt: von Puppe und Figur, Farben und an vermeintlich bekannte Formen. Es bauen sich von Bild zu Bild unterschiedliche Parallelwirklichkeiten auf. Deren Wirkung von Stimmung und Tiefe entfachen sich erst durch die Übersetzung in die Wahrnehmung des Betrachters.

 

Die Künstlerin Carolin Israel zeigt in der Ausstellung „Bewegungsparallaxe“  Arbeiten aus den letzten Jahren bis heute und Suntje Sagerer zeigt eine neue Ausstellungsvariation Ihrer Fotoserie Masters of Society.

 

Carolin Israel über ihre Arbeiten: 

 

An der Grenze zwischen Figürlichkeit und Abstraktion verfolge ich Fragen nach der Auslotung von Reduktion, von Komprimierung und Erweiterung. Was sich sichtbar formal und optisch überlagert gewinnt Tiefe mit zusätzlichen Ebenen wie wahrgenommenen Empfindungen oder Störfaktoren. Wo ich an einer Stelle einem Hang nach Stimmigkeit und Farbharmonie nachgehe, hinterfrage ich an einer anderen Stelle Sehgewohnheiten.
Dies dirigierend verstehe ich mich als Spielleiterin: Die Bilder als mein Spielbrett und den Betrachter, die Betrachterin als Spielende - das Spiel selbst als ein Ringen um Deutung. Jedes neue Bild ist ein Schritt vorwärts in Richtung Ziel auf einem Spielfeld, das trotz der räumlichen Beschränkung des Bildträgers das Spiel der Deutungen weder bestimmt noch eingrenzt.
Wie weit kann ich gewohnte Sehzusammenhänge dehnen, neu kombinieren und irritieren, ohne sie unlesbar zu gestalten? Wo sind die Grenzen der Deutungsmechanismen der uns umgebenden Dinge? Diesen Fragen nachgehend sind Malerei, Zeichnung, Farbe, Form und Komposition die Eckpfeiler meines Arbeitsprozesses. Ein Prozess, der ohne Vorlage oder Skizzierung stattfindet und dessen Stimmung in der Gesamtheit mehr als die Summe seiner Teile ist.

 

 

Jessica Buskirk über die Arbeiten von Suntje Sagerer:

 

In der Serie Masters of Society lässt die Künstlerin herkömmliche Puppen in einer Auswahl prekärer Szenarios innerhalb von Wohnräumen posieren und fotografiert das Ergebnis in leuchtenden, starken Farben. Die Bilder, von denen einige wiederum Fotos aus der Kindheit der Künstlerin enthalten, die in den Puppenstubenräumen eingebettet wurden, sind gleichermaßen lebhaft und befremdend. Mit ihren schäbigen, halberzählten Geschichten untergraben sie die konventionellen Vorstellungen einer unschuldigen Kindheit einerseits und des Zuhauses als tröstlichem Ort andererseits.

 

Jessica Buskirk, Ph.D. in Art History, University of California, Berkeley

(Übersetzung: Torsten Klaus, Journalist, Kulturredakteur bei der DNN)