menschwer(t)dung

  

Rose- Marie Güttler / Zeichnung, Grafik (Mitglied im CKB e.V.)

Christoph Roßner / Skulptur                     (Mitglied im CKB e.V.)

 

                       

 

Bei beiden Künstlern waren die Kunstwerke natürlich eher da, als das Thema der Ausstellung und sind deshalb autonom entstanden. Auch hat jedes Werk sicher sein kleines gedankliches Universum oder zumindest eine eigene Aura. Aber da sich beide Künstler mit ihren jeweiligen Mitteln den Themen des menschlichen „da seins“ stellen, lässt sich mit „Menschwerd(t)ung“ ein Bogen über die vorgestellten Exponate spannen. Diese doppelsinnige Wortschöpfung wird nicht ausschließlich „tot ernst“ behandelt. Die Kunst will sehr frei mit den Wirklichkeiten spielen und die Gegenwart erhellen und entführen. Trotzdem betont die Überschrift keine leichte Ansage: „Mensch zu werden!“ Man könnte denken, wir sind es schon! Aber was ist mit der gelegentlichen Vermutung, dass sich Tiere hier und da menschlicher gebären als Menschen…na ja vielleicht ist der Unterschied gar nicht so groß!?

Die Künstler meinen jedenfalls, sich und ihre Umwelt durch ihr Kunstschaffen zu kultivieren. Das wäre dann auch schon mal ein nützlicher Beitrag zur Höher- und Weiterentwicklung unserer Spezies, falls es so etwas gibt?!

Wenn nicht, dient es eben nur der Menschwerdung und Gegenwartsreflexion. Und das wäre schon viel.

Menschwertung hingegen könnte ein Unwort sein. Aber wir ahnen, was es bedeutet z.B. in einer Leistungsgesellschaft, wie der unsrigen. Jeder bewertet jeden, direkt, mit einem Mausklick, mit Worten oder Reaktionen. Wir pflegen Selbstreflexion oder ernten öffentliche Kritik. Und trotzdem, oder genau deshalb melden sich auch immer neue künstlerische Positionen zu Wort, um den Prozess lebendig zu halten, die Suche nach dem Ich, dem Du und der besseren Welt, dem Glück.

 

C. Roßner