WIE WEIHNACHTEN UND OSTERN ZUSAMMEN

Wenn Weihachten und Ostern zusammentreffen, gibt es mehr Geschenke. Vielleicht auch nicht. Sicher würde es gewaltig krachen im Gebälk. Die Beschleunigung hätte endgültig gesiegt und in der Schokoladenindustrie herrschte Ausnahmezustand, Osterhase und Weihnachtsmann träfen sich zum Rühreiessen.

Wenn Nicolás Dupont und Matti Schulz gemeinsam ausstellen, kracht es nicht weniger. Mit Tempo und Ironie interpretieren die beiden Absolventen der HfBK Dresden das Weltgeschehen und machen sich und uns fit für alle möglichen Ausnahmezustände.

So übermalt Dupont einen Teil seiner Bilder, um sie im Kriegsfall gut getarnt irgendwo im Wald verstecken zu können. Das ist angesichts der aktuellen Kriege mehr als nur ein lustiger Einfall. Diese etwas ungewöhnliche Maßnahme des Kunsterhalts durch Bildzerstörung fragt nach dem Wert von Bildern und macht die Kapitulation der Kunst vor dem Krieg deutlich. Und was kommt nach dem Krieg? Im besten Fall die Restauratoren. Auf Duponts ungetarnten Bildern sind allerlei Interaktionen abgebildet. Was die Protagonisten hier tun, tut ihnen nicht immer gut. Es wird gehackt und geschossen, auch wenn der Schuss lediglich der Vertreibung von Alpträumen dient. Manchmal wird eine blinde Entendame über die Bildfläche geführt. Der Bildtitel: „Führ Daisy“ liest sich als Befehl, aber spielt auch mit der Möglichkeit einer ausgeprägten Leserechtschreibschwäche.

Während sich Dupont für einen Krieg rüstet, schaut Schulz sich um, blättert in Zeitungen, sieht fern, hört Musik und denkt sich allerlei aus, auch Katastrophen wie Tittentornados, die er in Bronze gießt. Er lässt Illuminaten in langen Reihen um eine schneebedeckte und daher unsichtbare Pyramide tanzen und stattet ein Porträt, das an prähistorische Goldmasken erinnert, mit Schlauchbootlippen aus. So karikiert er  den weiblichen Selbstoptimierungswahn. Sogar die Helden der Klassischen Moderne bleiben von seinen frech-fröhlichen Kommentaren nicht verschont. Ein Einhorn in Picasso-Manier verfügt über zwei Hörner: eines auf dem Kopf und eines zwischen den Hinterbeinen.

Bei beiden entfaltet sich der Witz erst in der Kombination von Bild und Text. Was daraus entsteht, erinnert in seiner ungelenken Darstellung an die Vertreter der Art Brut oder an den Briten David Shrigley. Auf jeden Fall macht es Spaß und wir können gespannt sein, was noch kommt.

 

Susanne Greinke